Teuerung, Versorgungssicherheit und Fachkräftemangel größte Herausforderungen für heimische Wirtschaft

30. Januar 2023 Drucken
Teuerung, Versorgungssicherheit und Fachkräftemangel größte Herausforderungen für heimische Wirtschaft
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Eine im Vorfeld des Wiener Kongresses 2023 durchgeführte Umfrage unter österreichischen Managern zeigt, was die heimische Wirtschaft bewegt und was die Manager von der Zukunft erwarten.

Größte Herausforderungen für die Betriebe sind auch im nächsten Jahr Teuerung (56 Prozent) und Energiekrise (38 Prozent). Bei der Vorbereitung auf unterschiedliche Herausforderungen haben die Betriebe – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – am meisten für ihre Cybersicherheit getan: Waren es im Juni 2022 noch 19 Prozent, die sich dafür sehr gut vorbereitet haben, sind es im Jänner 2023 bereits 65 Prozent. Bei betrieblichen Stromeinsparungen zeigt sich ebenfalls eine Verdoppelung der Bemühungen, dies allerdings auf relativ niedrigem Niveau (Juni 2022: 6 Prozent sehr gut vorbereitet, Jänner 2023: 14 Prozent sehr gut vorbereitet). 

„Der Wirtschaftsstandort Wien ist grundsätzlich stark und in seiner Gesamtheit bisher überdurchschnittlich gut durch die Verwerfungen der letzten Jahre gekommen. Das liegt an seiner Vielfalt, aber auch an der Innovationskraft und Flexibilität seiner Unternehmen. Die vorliegende Untersuchung bestätigt das – und vor allem auch, dass sich unsere Unternehmen schnell auf kritische Entwicklungen einstellen können. Klar ist aber auch, dass sie nicht alles alleine stemmen können. Vor allem am Energiesektor braucht es weitere Schritte, sowohl auf Bundes- wie auch auf EU-Ebene. Zudem sind die Unternehmen auch verstärkt vom Fachkräftemangel betroffen. Hier sind Maßnahmen die kurz- und langfristig wirken notwendig. Beispielsweise verstärkte überregionale Vermittlung offener Jobs, mehr Vollzeit statt Teilzeit, mehr Senioren im Erwerbsleben“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien.

Die bisherigen Leistungen der Bundesregierung werden laut Umfrage ambivalent eingeschätzt: Während insgesamt 42 Prozent der Befragten meinen, es werde dafür seitens der Bundesregierung viel bzw. etwas getan, erklären 47 Prozent, dass zu wenig oder nichts getan werde.

Verschlechterung bei der Versorgungssicherheit

Ein wichtiges Anliegen ist den Betrieben die Versorgungssicherheit: Mehr als jeder fünfte Manager (22 Prozent) sieht darin eine der größten Herausforderungen im kommenden Jahr. Aber auch die generelle Versorgungssicherheit ist ein wichtiges Thema. Dabei stimmen nur mehr 13 Prozent der Aussage „Die Versorgungssicherheit mit Gütern des täglichen Gebrauchs ist in Krisenzeiten in Österreich gewährleistet“ zu. Im Juni 2022 waren dies mit 26 Prozent noch doppelt so viele, zeigt die Studie. „Das ist ein Alarmsignal. Österreichs Entscheidungsträger aus der Wirtschaft haben in die Strukturen und Instrumente der Versorgungssicherheit im Land deutlich weniger Vertrauen als noch vor einem halben Jahr. Versorgungssicherheit muss für Standort und Bevölkerung umfassend gemanaget und gesichert werden“, so David Ungar-Klein, Initiator des Wiener Kongresses. 

Lob für digitale Infrastruktur, Kritik an IT-Fachkräftemangel

Insgesamt 55 Prozent der Befragten sehen in Österreich eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur, während 37 Prozent dies (eher) verneinen. Dem mehrheitlichen Lob für die digitale Infrastrukturentwicklung steht freilich die massive Kritik am IT-Fachkräftemangel gegenüber. Bereits 72 Prozent der Betriebe geben zu Protokoll, dass ihnen Fachkräfte im IT-Bereich fehlen. Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky: „Bei der digitalen Infrastruktur haben wir viel weitergebracht, jetzt geht es darum, die digitalen Kompetenzen in Österreich gezielt auszubauen. Das ist das große Anliegen der neuen Digitalen Kompetenzoffensive der Bundesregierung.“ Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich unterstreicht, dass aktuell in Österreich rund 24.000 IT-Fachkräfte pro Jahr fehlen. Harl: „In den kommenden fünf Jahren könnte diese Zahl auf 30.000 steigen, wenn nicht gezielt gegengesteuert wird. Durch die Nichtbesetzung von IT-Stellen verlieren österreichische Unternehmen rund 3,8 Milliarden Euro pro Jahr. Wir brauchen daher einen klaren Fokus auf die IT-Ausbildung und insbesondere der Informatik-Grundbildung – und das so früh wie möglich.“

Klimaschutz: Manager setzen auf Technologien und erwarten Radikalisierung

Ein klares Zukunftsbild der Wirtschaft zeigt die Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies auch beim Thema Klimaschutz: 80 Prozent der Befragten setzen dabei auf Investitionen in neue Technologien und Lösungen, nur 18 Prozent befürworten Einschränkungen von Staat, Unternehmen und Privathaushalten. Während 44 Prozent von Aktionen der Klimaaktivisten „durchschnittlichen“ Schaden erwarten, gehen 29 Prozent der Manager von „massivem“ Schaden aus. Für insgesamt 80 Prozent der befragten Betriebe ist es sehr oder eher wahrscheinlich, dass die Klimaaktivisten in naher Zukunft radikaler werden.