Künstliche Intelligenz führt zu Aufgabenverlagerung aber (noch) nicht zu Jobabbau

22. Juni 2023 Drucken
Künstliche Intelligenz führt zu Aufgabenverlagerung aber (noch) nicht zu Jobabbau
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Die Einführung von künstlicher Intelligenz in Unternehmen ist auf Seiten der Beschäftigten häufig mit Angst vor Jobverlust oder Mehrbelastung verbunden. Eine Studie der OECD in Kooperation mit der KMU Forschung Austria zeichnet nun ein positiveres Bild.

Künstliche Intelligenz kann in einem sehr breiten Feld Aufgaben übernehmen, die davor von Menschen geleistet wurden. Daher sind auch unterschiedliche Qualifikationen davon betroffen. Zunehmend sind es auch nicht mehr nur Routinetätigkeiten. Aber zu einem Abbau von Jobs ist es deshalb noch nicht gekommen, allenfalls hat KI-Nutzung das Beschäftigungswachstum verlangsamt, ergab eine OECD-Studie mit österreichischer Beteiligung. Der Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Kooperation mit der KMU Forschung Austria liegen knapp 100 Fallstudien in acht Ländern zugrunde, davon 18 aus Österreich. Unterstützung gab es vom Sozialministerium.

Hinweise auf Kündigungen wegen der KI „finden sich in den Fallstudien nur in begrenztem Umfang“, so die Studie. In den wenigen Fällen seien die Betroffenen in anderen Bereichen des Unternehmens untergekommen. Teilweise habe es aber keine Nachbesetzungen von Pensionierungen oder natürlichen Abgängen gegeben, wenn Aufgaben von einer KI übernommen wurden.

Nachfrage nach Berufen mit KI-Bezug steigt 

Der digitale Wandel und der Einsatz künstlicher Intelligenz ist häufig mit der Angst vor Rationalisierung und Jobverlust verbunden. Die Studie zeigt jedoch, dass im Finanz- und Industriesektor trotz Einführung von KI-Anwendungen die Beschäftigungsniveaus bislang stabil geblieben sind, wenngleich sich ein etwas langsameres Beschäftigungswachstum abzeichnet.

„In den untersuchten Unternehmen kam es kaum vor, dass aufgrund der Einführung von KI Arbeitsplätze weggefallen sind. In den wenigen Fällen wo KI-Lösungen Arbeitskräfte ersetzten, kam es nicht zu Kündigungen, sondern die Betroffenen wurden in andere Geschäftsbereiche versetzt, oder das Unternehmen war zurückhaltender in der Nachbesetzung von Stellen“, sagt Karin Petzlberger von der KMU Forschung Austria.

Im Gegenzug habe starke Nachfrage zu mehr Beschäftigung in Berufen mit KI-Bezug geführt. Auch auf dem Gebiet der KI selber seien neue Arbeitsplätze entstanden. „KI-Nutzung führt eher zur Umorganisation von Tätigkeiten als zu tatsächlichen Arbeitsplatzverlusten“, heißt es in der OECD-Studie. Teils werde die Künstliche Intelligenz als Unterstützung genutzt, damit Menschen schneller, fehlerfreier oder sicherer arbeiten können, ohne dass sich ihr Tätigkeitsprofil grundlegend ändert.

Häufig habe die Arbeitsersparnis durch Künstliche Intelligenz zu mehr Bedarf an menschlicher Arbeit im Umfeld der KI geführt. „Die anderen Aufgaben waren in der Regel Tätigkeiten, bei denen menschliche Arbeitskräfte nach wie vor über komparative Vorteile verfügen“, so die OECD. Tätigkeiten, die Empathie, soziale Interaktion und bestimmte Arten der Entscheidungsfindung erfordern, würden „wahrscheinlich immer besser von Menschen erledigt werden“, so die Einschätzung der Befragten in den Fallstudien.

Künstliche Intelligenz: Qualität der Beschäftigung steigt

Die Auswirkungen auf das Kompetenzniveau sind laut Studie differenziert zu sehen. Bei einem großen Teil sei im neuen Umfeld keine zusätzliche Kompetenz nötig, aber bei einem „wesentlichen Anteil der Fallstudien“ waren höhere und breiter gestreute Kompetenzen nötig. Nur im verarbeitenden Sektor gab es auch Beispiele, wo die Kompetenzanforderungen wegen der Automatisierung sanken.

„Die Fallstudien liefern überzeugende Belege dafür, dass KI die Beschäftigungsqualität erhöht“, so die Studie. Oft fielen monotone Inhalte weg, die Arbeit werde interessanter und auch das Arbeitspensum sinke. Es könne aber auch die Arbeitsintensität wegen höheren Leistungszielen steigen. Nun seien politische Weichenstellungen entscheidend. Würden Beschäftigte bei der Einführung von KI eingebunden, verringere das die Furcht vor einem Arbeitsplatzverlust und stärke ihre Bereitschaft, sich mit KI-Technologien auseinanderzusetzen. (APA/red)