APA-CEO plädiert für KI auf Basis verifizierter Nachrichten

11. September 2023 Drucken
APA-CEO plädiert für KI auf Basis verifizierter Nachrichten
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Fake News, die Rolle der Medien als Gatekeeper und ihr Umgang mit Künstlicher Intelligenz sowie Chatbots waren die Themen in einer Diskussion zum Buch „Democracy dies in Darkness“ von APA-Geschäftsführer Clemens Pig, in dem er die Informationsgesellschaft von morgen skizziert.

Er stellte sein neues Werk über KI im Gespräch mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka am Freitag im JKU-Square beim Ars Electronica Festival „Who Owns the Truth?“ in Linz vor. Nachrichtenagenturen seien das Rückgrat der Berichterstattung, führte Meinhard Lukas, Rektor der Linzer Kepler-Universität und Co-Moderator mit OÖNachrichten-Chefredakteurin Susanne Dickstein und Buchautor Pig, der auch Präsident der European Alliance of News Agencies (EANA) ist, ein.

„Russland hat seine Einheit wiederhergestellt. Die Tragödie von 1991, diese furchtbare Katastrophe unserer Geschichte, diese unnatürliche Zerrissenheit, ist überwunden“, zitierte Pig aus seinem Buch eine Jubelmeldung der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, die in den Morgenstunden des 26. Februar 2022, nur zwei Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, irrtümlich versendet wurde. Das sei ein Beweggrund gewesen das Buch zu schreiben. Pig nannte weiters ein Interview mit Wladimir Putin ein dreiviertel Jahr vor Kriegsbeginn sowie die Tatsache, dass Redakteurinnen und Redakteure nur mehr mit Personenschutz von Anti-Coronademos berichten konnten, sowie den Hype um KI, der all die Themen verschärft habe.

„Guten Umgang mit KI finden“

Pig erklärte, dass hinsichtlich Troll-Angriffen und Fake News gerade Medien besonders sensibilisiert sein sollten. „Wir Medien sind die ersten, denen das Licht abgedreht wird“, im Falle, dass die Demokratie einer Autokratie weiche. Es sei wichtig, einen guten Umgang mit KI zu finden. „Meine Vision im Buch ist, und wir setzen sie auch gerade um, dass wir freien und unabhängigen Medien unsere verifizierten Nachrichten als Basis für sichere KI-Systeme verwenden und darauf aufbauend eine österreichische Lösung für künstliche Intelligenz machen“, sagte Pig.

„Wir in der Politik brauchen den seriösen Check“ und seien auch von den Medien, der vierten Gewalt, zu kritisieren, betonte Sobotka. Entscheidend sei, dass sich die Politik auf das, was berichtete werde, verlassen könne. „Kritik heißt auch, etwas infrage zu stellen und auf seinen Wahrheitsgehalt abzusehen“, untermauerte er sein „bedingungsloses Ja zu Qualitätsjournalismus“. Social Media erweckten den Anschein einer Zeitung, würden sich aber dennoch deutlich davon unterscheiden. „Sie haben keinen Herausgeber, keinen Chefredakteur“, da würden die Verschwörungstheorien, die ungeschützten Infos herkommen, die in den Raum gesetzt werden. Er forderte Kennzeichnungspflichten auch in sozialen Medien.

Lukas brachte generative KI ins Spiel, „Was aus den Sprachmodellen herauskommt, hängt von den Texten ab, mit denen sie trainiert werden“, sprach er Alignment an, d.h. Texte gegebenenfalls zu korrigieren, damit sie keine toxischen Inhalte transportieren. „Wir wollen uns dem Konstrukt der Wahrheit bestmöglich annähern, indem wir bestmöglich zitieren“, sagte Pig. Gerade in der Kriegsberichterstattung sei das oft schwierig und die Quellenlage oft diffus.

Einige Zeitungen wie der Guardian würden sich wehren, dass ihre Texte zum Training von KI verwendet werden, sagte Dickstein. Für Pig ist „der Schutz unserer Inhalte ein großes Thema“, wenn man sich das nehmen lasse, dann werde es eng. Er plädierte intensiv dafür, „dass wir viel als Medien selber in den Schutz gehen, bis ein legistischer Rahmen für das Thema da ist“. Sobotka meinte, dass man den legistischen Rahmen schneller abstecken müsse, denn „die digitale Welt verdoppelt sich innerhalb von drei Monaten, wir brauchen für ein Gesetz sechs Monate“. Er sah die Bildungsfrage als wesentlichen Punkt und sprach sich für digitale Bildung von Jugend an aus. (APA/red)