Künstliche Intelligenz und HR: Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg

05. Oktober 2023 Drucken
Künstliche Intelligenz und HR: Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg
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Künstliche Intelligenz prägt Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt. Die IT-Branche treibt hier technische Möglichkeiten voran, und ist dabei mit der Herausforderung konfrontiert, von Organisationen erhoffte Prozessoptimierungen auf der einen und menschliche Grundbedürfnisse auf der anderen Seite zu berücksichtigen.

Vertrauen ist ein essenzielles Element in zwischenmenschlichen Beziehungen, das gilt privat genauso wie im Arbeitsumfeld und ist Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) verändert diese Beziehungen und auch das Vertrauen in künstliche Intelligenz wird viel diskutiert. Die ehemalige Handball-Weltmeisterin, Steffi Bärmann, lehrt seit 2016 an der Fachhochsuche Wien der WKW im Bereich Personalentwicklung und forscht zum Einsatz von KI in diesem Bereich. Am diesjährigen HR Inside Summit in der Hofburg Vienna (11. und 12. Oktober 2023) spricht sie dazu live vor HR-Expert:innen: Sie sieht im Einsatz von KI in der Personalentwicklung eine Chance für Organisationen, strategisch relevante Kenntnisse und Fähigkeiten zu erkennen und in personalisierter Form zu vermitteln. Talente werden somit treffsicherer weiterentwickelt und können in entsprechend wichtigen Positionen eingesetzt werden. Der Einsatz von KI ist komplex und wird unter Mitarbeitenden unterschiedlich positiv sowie negativ willkommen geheißen. Daher ist die transparente Kommunikation darüber, was künstliche Intelligenz kann, was sie (noch) nicht kann und was es auch niemals tun sollte, essenziell.

Künstliche Intelligenz als Partner im Personalmanagement

Die fortlaufenden technologischen, ökologischen und demografischen Entwicklungen machen auch vor Organisationen keinen Halt. Sich damit auseinanderzusetzen und neue Errungenschaften der IT für sich zu nutzen, wird immer wichtiger, um als Unternehmen zu bestehen. KI hat das Potenzial, umfassend im Personalmanagement eingesetzt zu werden. „KI kann mittlerweile alle Bereiche des Personalmanagements vom Recruiting, über die Personalplanung, Personalentwicklung, Vergütung, Leistungsbewertungen bis hin zu Versetzungen und Beendigung von Arbeitsverhältnissen unterstützen“, so Bärmann. Dabei wird nach wie vor mit menschlichen Eingaben und Ergebnisverifizierungen arbeitet. Man spricht daher von „schwacher KI“. Eine „starke KI“, bei der Ergebnisse menschlichen Handlungen gleichgesetzt werden können, sind noch in der Entwicklung und Zukunftsvision. Automatisierung verändert Arbeits- und Kommunikationsprozesse. Führungskräfte sind gefordert, nach wie vor Ansprechpartner:in für die Mitarbeitenden zu sein und die Verantwortung für Fehler der KI zu übernehmen.

„KI kann mittlerweile alle Bereiche des Personalmanagements vom Recruiting, über die Personalplanung, Personalentwicklung, Vergütung, Leistungsbewertungen bis hin zu Versetzungen und Beendigung von Arbeitsverhältnissen unterstützen.“

Steffi Bärmann

Sensible Daten brauchen einen sensiblen Umgang

Mitarbeitende wollen fair behandelt werden und sicher gehen können, dass ihre Daten nicht missbraucht werden. KI-Systeme brauchen jedoch kontinuierlich viele und qualitativ möglichst hochwertige Daten, um zu lernen. Da die verwendeten Machine Learning (ML)-Algorithmen in der Regel auf vergangene Daten zurückgreifen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen auch Bias‘ abbilden und weitertragen. Sensibilität ist daher geboten, Personalverantwortliche sollten auf die Verwendung einer Datenvielfalt achten und ggf. in der Entwicklung und Überprüfung der Algorithmen bereits gegen mögliche auftretende Diskriminierung intervenieren. Zudem sind die Einhaltung der DSGVO und (zumindest) Betriebsvereinbarungen Voraussetzung für die Einführung dieser Technologien. Außerdem gilt es, Transparenz und Nachvollziehbarkeit über die verwendeten Algorithmen, deren Entwicklung und Funktionalität zu schaffen. Die Europäische Kommission arbeitet hier an Regularien, die bereits jetzt als Empfehlung dienen (EU AI Act). Wenn Mitarbeitende das System verstehen, schafft das Vertrauen in die Technologie, eine Grundvoraussetzung, um eine positive Spirale der Nutzung in Gang zu setzen.

Die Beziehung zwischen HR, Führungskräften und Mitarbeitenden im Fokus

Wenn KI-gesteuerte Systeme für den Personalmanagement-Prozess eingesetzt werden, beeinflusst das auch die Beziehung zwischen Mitarbeitenden, Führungskräften und Personalverantwortlichen. Die Unternehmensseite ist gefordert, ein grundlegendes Vertrauen sowohl zwischen jenen die den Einsatz von KI-Systemen initiieren als auch jenen, die die Systeme anwenden, zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Misstrauen kann zu einer Verweigerung der Anwendung führen oder im Falle einer Anweisung durch das Unternehmen zu einer bewussten Manipulation durch die Anwendenden. „Eine klare Kommunikation der Unternehmenshaltung zu diesem Thema, Schulungen oder Projekte und die Möglichkeit der Betroffenen, bei der Entwicklung mitzuwirken, können erste Sicherheit schaffen“ empfiehlt Bärmann. 

Der Einsatz von KI verändert einschneidend den Zugang zu Informationen, Entscheidungen und damit Beziehungen. Ist ein grundlegendes Vertrauen jedoch geschaffen, kann sie für alle Seiten nutzbringend eingesetzt werden. Wer Bärmann live beim HR Inside Summit hören will oder sich direkt mit ihr vor Ort zur Zukunft der AI im Personalwesen austauschen möchte, kann sich Tickets via https://www.hrsummit.at/#tickets holen.