Österreichs Unternehmen weiterhin vom Fachkräftemangel geplagt

16. Januar 2024 Drucken
Österreichs Unternehmen weiterhin vom Fachkräftemangel geplagt
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Der Fachkräftemangel bleibt das vorherrschende Risiko für Unternehmen in Österreich, wobei die zentrale Herausforderung in der Rekrutierungslage auf dem Arbeitsmarkt liegt. 82 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, passende Fachkräfte zu finden.

Der heimischen Wirtschaft fehlt es bereits seit einigen Jahren branchenübergreifend an qualifiziertem Personal. Letztes Jahr erreichte der Fachkräftemangel mit 87 Prozent einen Höchststand. Dieses Jahr geben 82 Prozent der befragten Unternehmen an, dass es ihnen derzeit schwer falle, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter:innen zu finden. Dabei ist besonders der Anteil heimischer Unternehmer:innen so hoch wie nie zu vor (47 %). Im Jänner 2022 gaben noch 27 Prozent an, große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung zu haben, im Jänner 2023 schon 42 Prozent. Das sind Ergebnisse der Studie „Beschäftigung und Fachkräftemangel in Österreich“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Dafür wurden österreichweit rund 600 Verantwortliche von mittelständischen Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen befragt.

Nur rund jedem fünften Unternehmen (18 %) fällt es nach eigenen Angaben derzeit eher oder sehr leicht Fachpersonal zu finden. Damit hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr gleichzeitig auch etwas entspannt: Nur 13 Prozent haben 2023 leicht Personal gefunden. Zwei Drittel (66 %) der österreichischen Unternehmer:innen sehen den Fachkräftemangel darüber hinaus auch als enormes Risiko für die Zukunft des Betriebs – noch vor hohen Rohstoffpreisen, möglicher Rezession und Inflation.

Gesundheitsbranche vom Fachkräftemangel besonders betroffen

Besonders die Branche Gesundheit und Life Science hat mit Rekrutierungsschwierigkeiten zu kämpfen: 60 Prozent geben an, sehr schwer Personal zu finden, 29 Prozent finden eher schwer Fachkräfte. Stark betroffen ist auch der Tourismus (60 % bzw. 27 %), gefolgt von der Industrie (50 % bzw. 31 %).

In Österreich gestaltet sich der Fachkräftemangel auch wirtschaftlich herausfordernd: Knapp die Hälfte aller Unternehmen (45 %) verzeichnet Umsatzeinbußen infolge der Personalnot – genauso viele wie vor einem Jahr. Allerdings ist der Anteil jener, die erhebliche Einbußen von mehr als fünf Prozent des Umsatzes beklagen, von 16 auf 19 Prozent gestiegen. Besonders ausgeprägt sind die Folgen des Fachkräftemangels auf den Umsatz im Gesundheitsbereich (69 %), im Tourismus (50 %) und in der Industrie (40 %). 

„Der anhaltende Fachkräftemangel stellt eine der größten Herausforderungen für den österreichischen Mittelstand dar. Trotz intensiver Bemühungen der Unternehmen, qualifiziertes Personal zu rekrutieren, besteht die Lücke weiterhin und hat sich sogar vergrößert. Dies beeinträchtigt nicht nur das Wachstum und die Innovationsfähigkeit unserer Betriebe, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung des Landes. Es ist entscheidend, dass wir sowohl auf politischer als auch auf unternehmerischer Ebene effektive Strategien entwickeln, um Lösungen zu finden und die Zukunftsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zu sichern“, so Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich, und verantwortlich für den Bereich Mittelstand.